Jede:r kennt sie – Werbe-Mails, die ungefragt im Postfach landen. Sie nerven, sie stören den Arbeitsfluss – und sie sind in vielen Fällen illegal. Das Legal-Tech-Startup minimi, Mitglied im Impact Hub Leipzig, zeigt: Es geht auch anders. Wer ungewollt kontaktiert wird, kann sich wehren – automatisiert, datenschutzkonform und mit klarer Haltung gegen digitale Grenzüberschreitungen.
Wenn Kaltakquise zur Rechtsverletzung wird
In Deutschland ist es verboten, Unternehmen oder Selbstständige ohne vorherige Einwilligung per E-Mail zu bewerben. Trotzdem passiert genau das täglich. Für viele ist das längst Normalität geworden – man löscht, schüttelt den Kopf, ärgert sich kurz. Doch diese Art von Kaltakquise stellt mehr dar als eine Belästigung: Sie verletzt Persönlichkeitsrechte und kann laut DSGVO einen Anspruch auf Schadenersatz begründen.
minimi hilft genau in solchen Fällen. Das Prinzip ist einfach: Wer als vertretungsberechtigte Person (z. B. Geschäftsführer:in, Prokurist:in oder Selbstständige:r) unaufgefordert Werbe-Mails bekommt, kann diese an spam@getminimi.com weiterleiten. Innerhalb weniger Minuten erfolgt eine Einschätzung – und bei einem qualifizierten Verstoß winken 25 €, für weitere Mails desselben Absenders je 5 € zusätzlich. Steuerfrei, ohne Vorkosten, vollständig digital.
Kein Abmahnbusiness – sondern ein klarer Fokus auf systematische Verstöße
Gründer Sebastian Sielmann kennt die Vorurteile, die ein solches Geschäftsmodell mit sich bringen kann. „Wir wollen keine Einzelfälle oder gut gemeinte Fehler bestrafen. Wir gehen gezielt gegen Anbieter vor, die systematisch Persönlichkeitsrechte verletzen – meist automatisiert und zu kommerziellen Zwecken“, sagt er. Minimi versteht sich daher nicht als juristische Drohkulisse, sondern als digitales Tool für Menschen, die sich ohne großen Aufwand gegen rechtswidrige Praktiken zur Wehr setzen wollen.
Die Auswahl der Fälle ist bewusst zurückhaltend: Keine Prozesse gegen Vereine oder ehrenamtlich betriebene Projekte. Stattdessen stehen große, oft wiederholt auffällige Akteur:innen im Fokus. Das Ziel: Datenschutzrechte für alle zugänglich machen – besonders für Menschen, die sonst kaum Ressourcen haben, rechtliche Wege zu gehen.
Legal-Tech mit Haltung
Hinter minimi steht ein erfahrener Aktivist für Verbraucherrechte. Sebastian Sielmann engagiert sich seit Jahren für mehr Fairness im digitalen Raum. Mit minimi hat er ein Modell geschaffen, das technische Automatisierung mit rechtlicher Expertise verbindet – und dabei Wert auf Transparenz, Datenschutz und Einfachheit legt.
Alle Daten bleiben in der EU, der Dienst ist vollständig DSGVO-konform, die Auszahlung steuerfrei. Wer minimi nutzt, muss keine Klage führen – das übernimmt ein erfahrenes Partnernetzwerk. Für Nutzer:innen bleibt der Prozess schnell, sicher und unkompliziert.
Praxisbeispiel: Gemeinnütziges Projekt refinanziert sich durch Spam-Ansprüche
Ein besonders anschauliches Beispiel zeigt, wie minimi auch im Non-Profit-Bereich Wirkung entfaltet:
Eine Stiftung aus dem Bildungsbereich nutzte den Service im Vorfeld eines gemeinnützigen Veranstaltungsformats. Innerhalb weniger Wochen wurden aus rechtswidrigen Werbe-E-Mails mehr als 1.500 € an Entschädigungszahlungen generiert – komplett ohne juristischen Aufwand, aber mit direktem Nutzen.
Das so entstandene Budget konnte direkt in Programm und Öffentlichkeitsarbeit der Veranstaltung fließen. Gleichzeitig setzte die Organisation ein klares Signal: Datenschutzverletzungen sind kein Kavaliersdelikt – und können konstruktiv für gesellschaftlichen Zweck umgewandelt werden.
Teil der Impact Hub Community
Seit Frühjahr 2025 ist minimi Mitglied im Impact Hub Leipzig – und damit Teil eines Netzwerks, das neue Wege zwischen Technologie, Gerechtigkeit und Unternehmertum sucht. Beim gemeinsamen Webinar „Deine Daten, dein Recht“ zeigte das Startup, wie niederschwellig digitale Rechte durchgesetzt werden können. Die Reaktionen waren eindeutig: Viele hatten keine Ahnung, dass sie rechtlich geschützt sind – geschweige denn, dass sie daraus einen Anspruch ableiten könnten.
Minimi macht diese Rechte nutzbar. Nicht als juristische Keule, sondern als Werkzeug für Menschen, die sich nicht alles gefallen lassen wollen.
Ausblick
Dass ausgerechnet Spam-Mails zum Hebel für mehr digitale Gerechtigkeit werden können, klingt zunächst absurd. Doch minimi beweist, dass in nervigem Alltagspotenzial auch Empowerment liegen kann – wenn man es zugänglich macht. Wir freuen uns, dieses Startup bei uns im Hub zu haben. Denn soziale Innovation beginnt oft genau da, wo andere längst abgeschaltet haben: beim Klick auf „Löschen“.
👉 Mehr Infos und mitmachen: https://www.getminimi.com/de/spam-einreichen
