Wenn über die Energiewende gesprochen wird, geht es meist um Milliarden-Investitionen, politische Rahmenprogramme oder internationale Klimaziele. Dabei entsteht ein wesentlicher Teil der Transformation auf einer ganz anderen Ebene: lokal, gemeinschaftlich und immer stärker von Bürger:innen getragen.
Energiegenossenschaften sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der deutschen Energiewende und doch für viele Menschen kaum sichtbar. Das ist schade: Denn sie bieten etwas, das kein Fonds, kein ETF und kein Konzern ersetzen kann.
Was sind Energiegenossenschaften?
Eine Energiegenossenschaft ist eine genossenschaftlich organisierte Gemeinschaft, in der Bürger:innen, Kommunen und Unternehmen gemeinsam Kapital einbringen, um Projekte für erneuerbare Energien zu finanzieren und zu betreiben. Die Rechtsform ist die eingetragene Genossenschaft (eG), dieselbe Grundlage, auf der auch Volksbanken und Wohnungsbaugenossenschaften aufgebaut sind.
Das Prinzip hat eine lange Geschichte. Schon im 19. Jahrhundert entwickelten Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch unabhängig voneinander die Idee: Durch gemeinsames Handeln können auch kleine Akteure große Wirkung entfalten. Dieser Gedanke ist heute aktueller denn je.
Ein entscheidendes Merkmal: Anders als bei Aktiengesellschaften gilt das Prinzip ‚Eine Stimme pro Mitglied‘ – unabhängig davon, wie viele Anteile jemand hält. Das macht Genossenschaften zu einem Instrument echter demokratischer Mitgestaltung.
Was leisten Energiegenossenschaften konkret?
Die Bandbreite reicht von Solaranlagen auf Schuldächern und Kirchturmspitzen bis hin zu Bürgerwindparks, Nahwärmenetzen und Projekten im Bereich Elektromobilität. Die Zahlen des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) geben einen Eindruck der kollektiven Wirkung: Energiegenossenschaften in Deutschland haben bereits rund 3,6 Milliarden Euro in die Energiewende investiert und erzeugen jährlich etwa acht Terawattstunden Ökostrom. Das entspricht einer CO₂-Einsparung von rund drei Millionen Tonnen – vergleichbar mit dem Jahresausstoß einer Großstadt wie Stuttgart.
Allein neue Projekte der Genossenschaften auf der gemeinsamen Plattform vom Impact Hub & valueverde im Jahr 2025 erzeugen rund 162 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr – genug für den Verbrauch von zehntausenden Haushalten.
Neben der ökologischen Dimension bieten viele Genossenschaften ihren Mitgliedern eine wirtschaftliche Perspektive. Historisch lagen die jährlichen Ausschüttungen im Schnitt zwischen zwei und fünf Prozent. Der Einstieg ist dabei oft mit vergleichsweise kleinen Beträgen möglich häufig ab rund 100 Euro.
Ganz einfach die passende Genossenschaft finden und dabei deinen Impact Hub unterstüzten: https://impacthub.valueverde.net/
Warum lohnt sich eine Mitgliedschaft?
Die Gründe, einer Energiegenossenschaft beizutreten, sind vielschichtig:
- Klimaschutz: Jeder investierte Euro trägt direkt zur Energiewende bei – nicht über Umwege, sondern in konkret sichtbaren Projekten vor Ort.
- Demokratische Mitbestimmung: Das Prinzip Eine Stimme pro Mitglied sichert echte Teilhabe, unabhängig von der Einlagenhöhe.
- Regionale Wertschöpfung: Gewinne bleiben in der Region und stärken lokale Handwerksbetriebe, Kommunen und Bürger:innen.
- Finanzielle Rendite: Stabile Ausschüttungen machen Genossenschaften zu einer attraktiven Alternative zu klassischen Sparformen.
- Stabilität: Genossenschaften weisen die niedrigste Insolvenzquote aller Gesellschaftsformen auf und unterliegen regelmäßigen Prüfungen durch unabhängige Verbände.
Warum bleibt Bürgerenergie für viele unsichtbar?
So überzeugend das Modell klingt, für viele Interessierte bleibt der Einstieg mit erheblichen Hürden verbunden. Es fehlt an zentraler Übersicht: Welche Genossenschaften gibt es? Welche Projekte setzen sie um? Wie unterscheiden sich Rendite, Risiko und Klimawirkung?
Die nötigen Informationen sind meist verstreut, unvollständig oder nur über persönliche Kontakte zugänglich. Traditionell läuft der Beitritt über lokale Veranstaltungen oder aufwändige Eigenrecherche. Wer nicht zufällig in der Nachbarschaft auf eine Genossenschaft stößt, erfährt oft gar nicht, dass diese Möglichkeit existiert, besonders jüngere und mobilere Menschen fallen so durch das Raster.
Eine digitale Plattform als Brücke
Hier eröffnet die Digitalisierung neue Chancen. So wie der Aktienhandel schrittweise für breitere Bevölkerungsschichten geöffnet wurde, ist es an der Zeit, Genossenschaften sichtbarer und zugänglicher zu machen.
Gemeinsam haben der Impact Hub Leipzig, Dresden, Hamburg und valueverde einen einfachen Zugang geschaffen. Eine gemeinsame Plattform bündelt Informationen zu Energiegenossenschaften, macht Projekte transparent vergleichbar und ermöglicht direkt dabei zu sein. Einfach, digital und transparent.
Energiewende zum Mitmachen
Energiegenossenschaften zeigen, wie eine gelingende Transformation funktioniert – denn sie bringen verschiedene Themen zusammen: Klimaschutz, wirtschaftliche Beteiligung, regionale Wertschöpfung und demokratische Mitgestaltung.
Die Kooperation zwischen dem Impact Hub Leipzig und valueverde setzt genau hier an: nicht mit einem weiteren Energieprojekt, sondern mit dem Versuch, bestehende Projekte sichtbar zu machen und die Beteiligung daran niedrigschwellig zu ermöglichen.
